Die Stadtverwaltung gibt sich ahnungslos

Am 23. Januar 2016 erschien in der Goslarschen Zeitung auf Seite 17 der folgende Beitrag:

Ein offenes Ohr für Radfahrer

Stadt wertet Kritik und Vorschläge der Bürger aus – Neues Verkehrskonzept in Arbeit

Goslar Die Interessen der Radfahrer standen in den vergangenen Jahren eher nicht ganz oben auf der Stadt-Agenda. Oder besser gesagt in den letzten Jahrzehnten.

Konzept von 1981

Das jüngste Radverkehrskonzept stammt aus dem Jahr 1981, wie Tiefbau-Fachdienstleiter Matthias Brand im Bauausschuss mitteilte.

Vergangenes Jahr landete Goslar beim bundesweiten Fahrradfreundlichkeitstest des Allgemeinen Deutschen Fahrradclubs (ADFC) auf Platz 91 von 100. Die Stadt reagierte: Ein neues Konzept ist in Arbei, mit einer Mail an die eigens eingerichtete Adresse fahrrad@goslar.de konnten Radfahrer ihr Leid klagen und Verbesserungen vorschlagen.

Nun eine erste Auswertung: 15 Rückmeldungen habe es an die Verwaltung gegeben. Vor allem sei ein fehlender Radweg zwischen Goslar und Vienenburg moniert worden – dieser befindet sich inzwischen in der Planung (die GZ berichtete). Zudem wurden Schlaglöcher „Im Schleeke“ und an der „Okerstraße “ gemeldet, für deren Beseitigung jedoch die Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr verantwortlich sei. Dies passiert wohl frühestens 2017. Noch in diesem Jahr sollen hingegen Teile der Radwege an der „Heinricht-Pieper-Straße“ und der „Feldstraße“ repariert werden. Zudem soll im Frühjahr die Innenstadt kräftig aufgemöbelt (aufmöbliert?) werden, nicht nur mit Bänken und Spielzeugen, sondern auf (auch?) mit Fahrradständern.

Einige Wünsche seien schlicht nicht erfüllbar. Ein Beispiel: Die „Breite Straße“ sei zu schmal, um dort einen Fahrradweg zu installieren.

Zu wenig Rücksicht

Ein weiterer Kritikpunkt: Gerade in der engen Altstadt würden die Autofahrer zu schnell unterwegs sei und zu wenig Rücksicht auf andere Verkehrsteilnehmer nehmen. Die Stadt plant, nach der Sanierung der östlichen Altstadt, zum Beispiel in der Mauerstraße, eine Tempo-30-Zone einzurichten – ein extra Radweg wäre in dieser Zone jedoch nicht zulässig.   hrs“

 

In diesem Bericht versucht die Stadt den Eindruck zu erwecken, dass sie von den ihr benannten Mängeln überrascht sei. Und sie schiebt die Verantwortung für die fehlende Kontrolle des Zustandes ihres Verkehrssystems von sich: Sie nennt uns Bürgern eine E-Mail-Adresse für die Meldung von Missständen. Damit verschafft sie sich ein Alibi für weiteres Nichtstun, denn sie kann ja so tun, als ob lediglich die ihr gemeldeten Missstände bestünden und alles Andere in bester Ordnung sein. Dies konnte nicht unwidersprochen bleiben, und ich habe mit folgendem Leserbrief reagiert. (Streichungen durch die Redaktion sind kursiv gesetzt.)

 

Sehr geehrte Damen und Herren,

ich beziehe mich auf Ihren Bericht „Ein offenes Ohr für Radfahrer“, GZ vom 23.1.2016 und meine nachstehende E-Mail, die ich wie folgt gern ergänzen würde.

„Wir Goslarer Radfahrer freuen uns natürlich über ein für uns geöffnetes Ohr. (Das andere bleibt wohl dem Kraftverkehr zugeneigt.) Noch größere Freude bräche bei uns aus, wenn sich auch die städtischen Hände für uns regten. Diese Hände könnten beispielsweise unnötig schikanöse Fußgänger-/Radfahrer-Ampelschaltungen ändern. Sie könnten gefährlich konstruierte Wegführungen entschärfen.

Die Stadt hat dieses Jahr bei der Durchsetzung der Schneeräumpflicht zumindest in Vienenburg völlig versagt und Gefährdungen für Fußgänger und Radfahrer in Kauf genommen. Ihre Politessen übersehen großzügig das mutwillig behindernde Parken auf Radwegen.

Bezeichnend für den Stellenwert des Radverkehrs: Vor der Touristikinformation am Markt gibt es wohl einen Wassernapf für Hunde, aber keinen Fahrradständer. Der Radler kommt noch hinter dem Hund!

Und es kommt immer gut an, auf zu schnelle Autofahrer einzudreschen. Die allermeisten aber verhalten sich rücksichtsvoll. Und es ist schon lustig, wenn in der östlichen Altstadt, wo sie ohnehin langsam unterwegs sind, eine Tempo-30-Zone eingerichtet werden soll.

Schwere Mängel führten zu der miserablen Bewertung beim bundesweiten Fahrradklimatest. Es sind Mängel, die der ADFC der Stadt schon seit Jahren zur Kenntnis gebracht hat. Es wurden viele Maßnahmen vorgeschlagen, die mit nur geringem Aufwand zu realisieren wären. Für das Fahrradklima wäre es allemal besser, die Stadt hätte ein offenes Herz für ihre Radler, und wenn die Verantwortlichen sich selber einmal aufs Rad setzten und einmal von Immenrode zum Odermarktplatz und zurück führen.

Fritz Haisch, Goslar-Immenrode, ADFC-Radverkehrsobmann für Goslar

 

 

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